Hände

Während das Gesicht die seelische Grundkonstitution abbildet und vom geistigen Leben verändert wird, sind die Hände mehr vom körperlichen Feld geprägt. Die Hände eines Holzfällers, eines Goldschmieds, eines Pianisten, eines Programmierers, eines Architekten, eine Bildhauers, eins Bandarbeiters, eines Schriftstellers unterscheiden sich, da sie durch lebenslange Praxis geformt wurden und so nicht nur Auskunft geben über das Tun des Körpers, sondern auch über den Willen des Geistes und die Nachsicht der Seele, dies in bestimmter Art und Weise zu tun, mit welcher Intensität und Kontinuität.

Geformte Hände sind Ausdruck von Notwendigkeit, Disziplin und Leidenschaft, alles aber in je unterschiedlicher Gewichtung, abhängig von Seele und Geist. So entstehen redende Hände.

Augen reden. Augen lassen uns in die Seele blicken, sagt der Volksmund.
Gesichter reden, sie lassen uns den Geist sehen, könnte man nun in platter Analogie sagen. Doch im Gesicht zeigt sich jene Persönlichkeit, die geformt wurde durch Anlage und Leben im Sinne von aktivem und passivem Erleben. Was nichts anders ist als eine Kombination aus Seele, Geist und Körper. Wohl in dieser Reihenfolge.

Bei Händen dagegen ist die Priorität der Formungskraft wohl umgekehrt ist. Darin aber besteht die Gemeinsamkeit: Wenn wir wirklich einem gegengeschlechtlichen Menschen nahe kommen möchten, dann möchten wir sicher irgendwann sein Gesicht berühren, irgendwann mal. Wir möchten aber zuerst seine Hände berühren. Und das ist im Prozess der Annäherung etwas leichter, kann, je nach Kultur, aber auch heikel sein.

Das hierzulande übliche Handgeben, der Handschlag der Begrüßung, war eine prima Sache, zumindest unter Männern, denn man durfte da schonmal Energie spüren, oder Angst, oder Gelassenheit. Handgeben mit Frauen ist steif und linkisch dagegen. Möge der Handkuss seine Wiedergeburt erleben!